Musiktheorie

Der Quintenzirkel: Tonarten und Vorzeichen ableiten

1. Oktober 2026 · Redaktion tv-el.de

Was der Quintenzirkel zeigt

Der Quintenzirkel ordnet die Durtonarten nach ihrer Anzahl an Vorzeichen. Die Tonarten stehen auf einem Kreis: Im Uhrzeigersinn kommen jeweils Tonarten mit einem Kreuz mehr hinzu, gegen den Uhrzeigersinn solche mit einem b mehr. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Tonarten eng miteinander verwandt sind und welche Vorzeichen zu einer Tonart gehören. Was eine Tonart von einer Skala unterscheidet, erklärt der Beitrag Tonart und Skala: der Unterschied.

Ganz oben auf dem Kreis steht meist C-Dur. Diese Tonart hat keine Vorzeichen. Im Uhrzeigersinn folgen G-Dur mit einem Kreuz, D-Dur mit zwei Kreuzen, A-Dur mit drei Kreuzen und weitere Tonarten. Gegen den Uhrzeigersinn geht es von C-Dur zu F-Dur mit einem b, dann zu B-Dur mit zwei b und weiter.

Die Bezeichnung Quintenzirkel beschreibt die Abstände der Tonarten auf dem Kreis. Für die praktische Anwendung musst du diese Abstände nicht hören oder benennen können: Entscheidend ist die feste Reihenfolge, in der Kreuze und b dazukommen. Was eine Quinte als Intervall ist, erklärt der Beitrag Intervalle hören und benennen.

So erklärt der Quintenzirkel Tonarten und Vorzeichen

Die Position einer Durtonart auf dem Kreis verrät ihre Vorzeichen. Je weiter du dich von C-Dur entfernst, desto mehr Kreuze oder b hat die jeweilige Tonart. Direkt benachbarte Tonarten unterscheiden sich jeweils durch ein zusätzliches Vorzeichen.

Tonarten mit Kreuzen

Im Uhrzeigersinn lautet die Reihenfolge der Tonarten:

  • C-Dur: keine Vorzeichen
  • G-Dur: ein Kreuz
  • D-Dur: zwei Kreuze
  • A-Dur: drei Kreuze
  • E-Dur: vier Kreuze
  • H-Dur: fünf Kreuze
  • Fis-Dur: sechs Kreuze
  • Cis-Dur: sieben Kreuze

Die Kreuze kommen immer in derselben Reihenfolge hinzu: Fis, Cis, Gis, Dis, Ais, Eis, His. Hat eine Tonart zum Beispiel drei Kreuze, sind es also Fis, Cis und Gis. Es handelt sich nicht um beliebige Erhöhungen: Die Vorzeichenfolge bleibt unabhängig von der Tonart gleich.

Tonarten mit b

Gegen den Uhrzeigersinn lautet die Reihenfolge:

  • C-Dur: keine Vorzeichen
  • F-Dur: ein b
  • B-Dur: zwei b
  • Es-Dur: drei b
  • As-Dur: vier b
  • Des-Dur: fünf b
  • Ges-Dur: sechs b
  • Ces-Dur: sieben b

Auch die Reihenfolge der b ist fest: B, Es, As, Des, Ges, Ces, Fes. In der deutschen Notenschrift bezeichnet B den Ton, der im Englischen meist B-flat heißt. Das deutsche H entspricht dagegen dem englischen B-natural. Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn Tonarten mit b und solche mit Kreuzen notiert werden.

Vorzeichen einer Tonart sicher ableiten

Der Quintenzirkel gibt nicht nur die Anzahl der Vorzeichen an. Mit einer einfachen Regel kannst du auch bestimmen, welche Vorzeichen eine Tonart hat:

  • Bei Kreuzen liest du die Vorzeichenfolge von Fis an bis zur benötigten Anzahl ab.
  • Bei b liest du die Vorzeichenfolge von B an bis zur benötigten Anzahl ab.

Für E-Dur stehen beispielsweise vier Kreuze in der Vorzeichnung: Fis, Cis, Gis und Dis. Für Es-Dur sind es drei b: B, Es und As. Die Position der Tonart auf dem Kreis und die Vorzeichenfolge ergänzen sich damit zu einer eindeutigen Angabe.

Die Vorzeichen einer Tonart stehen in der Notenschrift am Anfang eines Systems hinter dem Notenschlüssel. Sie gelten grundsätzlich für alle entsprechenden Töne in diesem System, sofern sie nicht durch ein zusätzliches Vorzeichen vorübergehend verändert werden. Der Quintenzirkel hilft beim Ableiten der Vorzeichnung; die genaue Platzierung der Zeichen auf den Notenlinien richtet sich nach dem Notenschlüssel.

Die Durtonart aus der Vorzeichnung finden

Wenn eine Vorzeichnung Kreuze enthält, kannst du die Durtonart über das letzte Kreuz bestimmen: Die Tonart liegt einen Halbton über diesem Kreuz. Bei drei Kreuzen ist das letzte Gis; einen Halbton darüber liegt A, also A-Dur.

Bei b funktioniert eine andere Merkregel: Das vorletzte b bezeichnet die Durtonart. Bei vier b sind es B, Es, As und Des; das vorletzte ist As, daher gehört die Vorzeichnung zu As-Dur. Bei nur einem b greift diese Regel nicht. Ein einzelnes b steht für F-Dur.

Diese Regeln gelten für gebräuchliche Durvorzeichnungen. Bei Tonarten mit sehr vielen Vorzeichen kann es zudem enharmonische Schreibweisen geben: Eine Tonhöhe lässt sich dann auf unterschiedliche Arten notieren, obwohl sie auf einem gleichstufig gestimmten Instrument gleich klingt. Der Kreis macht diese Beziehung sichtbar, entscheidet aber nicht allein, welche Schreibweise in einem konkreten Notentext sinnvoll ist.

Dur und Moll im Quintenzirkel

Viele Darstellungen des Quintenzirkels zeigen zusätzlich Molltonarten in einem inneren Kreis. Eine Durtonart und ihre parallele Molltonart teilen sich dieselbe Vorzeichnung. So gehören C-Dur und a-Moll zusammen; beide haben keine Vorzeichen. G-Dur und e-Moll teilen sich ein Kreuz.

Für die Orientierung reicht es, die parallelen Tonarten am gleichen Platz im Kreis zu suchen. Die Vorzeichnung allein verrät jedoch nicht, ob ein Musikstück tatsächlich in Dur oder Moll steht. Dafür ist auch wichtig, welche Töne und Akkorde im Stück eine zentrale Rolle spielen. Ein Notenanfang kann Hinweise geben, aber nicht immer eine eindeutige Antwort liefern.

Wofür der Quintenzirkel nützlich ist

Der Quintenzirkel ist vor allem eine Übersicht zum Nachschlagen und Ableiten. Er kann helfen, eine unbekannte Vorzeichnung zuzuordnen, die Vorzeichen einer Tonart aufzuschreiben oder verwandte Dur- und Molltonarten zu finden. Auch beim Wechsel zwischen benachbarten Tonarten ist er praktisch: Auf dem Kreis unterscheiden sie sich nur durch ein Vorzeichen.

Der Kreis ersetzt nicht das Lesen der Notenschrift. Er zeigt weder die genaue Lage einzelner Töne noch, welche Tonart in jedem Musikstück gemeint ist. Außerdem lassen sich manche Tonarten wahlweise mit Kreuzen oder mit b notieren, etwa Fis-Dur und Ges-Dur. Welche Schreibweise verwendet wird, hängt vom musikalischen Zusammenhang ab. Die zeitliche Ordnung der Musik beschreibt dagegen die Taktart, siehe Taktarten und Rhythmus: 4/4, 3/4, 6/8 und ungerade Takte.

Häufige Fragen zum Quintenzirkel

Muss ich den gesamten Quintenzirkel auswendig lernen?

Nein. Für den Anfang genügt es, die Reihenfolge der Kreuze und b sowie einige Orientierungspunkte wie C-Dur, G-Dur und F-Dur zu kennen. Mit der Zeit helfen die wiederkehrenden Muster dabei, weitere Tonarten abzuleiten.

Zeigt der Quintenzirkel, in welcher Oktave eine Melodie gespielt wird?

Nein. Der Kreis ordnet Tonarten und Vorzeichnungen, aber keine Tonhöhen nach Register. Die Oktavlage ergibt sich aus der Notenschrift oder aus der konkreten Spielweise.

Kann sich die Tonart innerhalb eines Musikstücks ändern?

Ja. Ein Musikstück kann die Tonart wechseln. In Noten kann ein solcher Wechsel durch eine neue Vorzeichnung kenntlich gemacht werden; einzelne chromatische Veränderungen werden dagegen oft mit zusätzlichen Vorzeichen notiert.

Warum kann dieselbe Tonhöhe unterschiedlich notiert werden?

Manche Tonhöhen lassen sich mit verschiedenen Notennamen schreiben, etwa als erhöhter Ton oder als erniedrigter Nachbarton. Welche Schreibweise gewählt wird, richtet sich nach Tonart und musikalischem Zusammenhang.

Fazit

Der Quintenzirkel macht sichtbar, wie Durtonarten nach ihren Vorzeichen geordnet sind. Mit der festen Reihenfolge der Kreuze und b lassen sich Vorzeichnungen ableiten; der innere Kreis ergänzt die parallelen Molltonarten. Als Orientierung für Musiktheorie ist er besonders hilfreich, wenn du Tonarten und ihre Vorzeichen schnell einordnen möchtest.

Weitere Beiträge findest du in der Rubrik Musiktheorie.

Mehr zum Thema

Alle Artikel aus Musiktheorie

← Zurück zur Übersicht